Die besonderen Ziele in Dubai: Ankerplätze, Inseln und Orte mit eigener Geschichte

Die meisten Menschen, die eine Yacht in Dubai chartern, kennen die Stadt bereits von Land. Sie haben den Burj Khalifa besucht, sind über die Palme gefahren, haben in einem der Beachclubs an der Küste einen Nachmittag verbracht und glauben deshalb, das Wesentliche gesehen zu haben. Was ihnen fehlt, ist der Teil Dubais, der keine Straßenanbindung hat. Vor der Küste liegen Inseln, Buchten und Wasserwege, die man ausschließlich mit einem Boot erreicht, und einige davon sind erheblich interessanter als die Attraktionen, für die man Eintritt bezahlt. Dieser Text beschreibt die Ziele, die eine Charterfahrt vom bloßen Ausflug zu einer eigenen Reise machen.
The World Islands, ein Archipel aus dem Nichts
Etwa vier Kilometer vor der Küste liegt eines der ungewöhnlichsten Bauprojekte der Welt, eine Gruppe von rund dreihundert künstlichen Inseln, die aus der Luft die Form der Kontinente nachbilden. Vom Wasser aus wirkt das Archipel völlig anders, nämlich wie eine Kette flacher, teilweise unbebauter Sandbänke, zwischen denen sich Kanäle mit außergewöhnlich klarem Wasser winden. Einige Inseln sind vollständig entwickelt und tragen Resorts mit europäisch inspirierter Architektur, andere liegen seit Jahren unberührt und werden von Seevögeln bewohnt.
Dieser Kontrast macht die Fahrt dorthin so reizvoll. Man verlässt die Skyline vollständig, sieht die Türme nur noch als grauen Streifen am Horizont und ankert an einem Ort, der so still ist, dass man den eigenen Atem hört. Für Gäste, die Dubai vor allem als lautes, dichtes Erlebnis kennen, ist dieser Moment meistens die größte Überraschung des Tages. Die Fahrt dauert je nach Schiff zwischen dreißig und fünfzig Minuten und setzt deshalb eine Charter von mindestens vier Stunden voraus.
Die geschützten Buchten der Palme
Wer weniger Zeit hat, findet in unmittelbarer Nähe der Küste ein Ziel, das nautisch fast ideal ist. Die äußere Sichel von Palm Jumeirah wirkt wie ein natürlicher Wellenbrecher und schafft dahinter eine Wasserfläche, die selbst an windigen Tagen ruhig bleibt. Hier liegt der beliebteste Badeplatz Dubais, mit Sicht auf das Atlantis, die Resorts der Insel und im Rücken die Skyline der Marina. Das Wasser ist flach, der Grund sandig, und die Temperatur bleibt über viele Monate hinweg zwischen vierundzwanzig und dreißig Grad.
Der besondere Reiz dieses Ankerplatzes liegt in seiner Doppelnatur. Man badet in einem geschützten, beinahe poolartigen Bereich und blickt gleichzeitig auf einige der teuersten Immobilien der Welt. Es ist der Ort, an dem sich am deutlichsten zeigt, dass Dubai seine Küste vollständig gestaltet hat, und trotzdem fühlt es sich nicht künstlich an, sobald man im Wasser ist.
Dubai Canal, die Stadt von innen
Ein völlig anderes Erlebnis bietet der Dubai Canal, ein künstlicher Wasserweg, der die historische Bucht mit dem Golf verbindet und dabei mitten durch Business Bay führt. Die Passage ist nur mit Schiffen bestimmter Höhe möglich, weil mehrere Brücken den Kanal überspannen, doch wer sie befahren darf, erlebt eine Perspektive, die kaum ein Besucher kennt. Die Türme stehen unmittelbar am Ufer, Fußgängerbrücken spannen sich über das Wasser, und an einer Stelle stürzt ein künstlicher Wasserfall von der Sheikh-Zayed-Brücke, der sich abschaltet, sobald ein Boot passiert.
Am Ende dieser Passage erscheint der Burj Khalifa nicht mehr als fernes Wahrzeichen, sondern als dominierende Wand direkt über dem Kanal. In der Dämmerung, wenn die Beleuchtung der Türme einsetzt und sich das Wasser dunkel färbt, entsteht ein Bild, das mit der offenen Küste nichts mehr gemeinsam hat und für viele Gäste der eigentliche Höhepunkt einer längeren Charter ist.
Dubai Creek und die alte Stadt
Wer verstehen will, woher Dubai kommt, fährt in den Creek, jene natürliche Meeresbucht, an deren Ufern die Stadt einst entstand. Hier liegen noch heute hölzerne Dhows, die Waren nach Iran, Indien und Ostafrika transportieren, oft beladen bis über die Reling mit Kühlschränken, Reifen und Reissäcken. Die Gebäude sind niedrig, die Windtürme von Al Fahidi erinnern an eine Zeit ohne Klimaanlage, und über allem liegt der Geruch von Gewürzen aus den Souks.
Für eine Charter ist dieser Abschnitt weniger ein Bade- als ein Kulturziel. Man fährt langsam, sieht Arbeiter beim Löschen der Ladung, kreuzende Abras mit Fahrgästen und den Kontrast zwischen historischen Lagerhäusern und den Türmen von Deira dahinter. Wer Dubai nur als moderne Stadt wahrgenommen hat, korrigiert dieses Bild hier innerhalb weniger Minuten.
Die stillen Ankerplätze vor Jumeirah und Umm Suqeim
Zwischen Burj Al Arab und der Küste von Umm Suqeim liegen Bereiche, die von Ausflugsbooten selten angefahren werden, weil sie keine spektakuläre Landmarke bieten. Genau das macht sie wertvoll. Hier ankert man vor breiten Sandstränden, hat den Burj Al Arab als seitliche Silhouette im Blick und in der Ferne die Nadel des Burj Khalifa. Der Verkehr ist gering, die Wellen sind niedrig, und es entsteht eine Ruhe, die an der belebten Palme nicht möglich ist.
Diese Plätze eignen sich besonders für Charterfahrten mit kleinen Kindern oder für Gruppen, die weniger Sightseeing und mehr Erholung suchen. Auch für Abendessen an Bord sind sie ideal, weil das Schiff kaum bewegt liegt und der Sonnenuntergang direkt vor dem Bug stattfindet.
Weiter draußen, wo das Wasser tiefer wird
Für Gäste mit mehr Zeit lohnt sich die Fahrt hinaus in den offenen Golf, wo die Wassertiefe zunimmt und die Farbe von Türkis in ein tiefes Blau wechselt. Hier liegt das Revier für Angeltouren, bei denen Kingfish, Barracuda und Sherry im Frühjahr und Herbst besonders zuverlässig beißen. Auch Delfine treten in diesen Bereichen regelmäßig auf und begleiten Schiffe gelegentlich über längere Strecken, meist in den frühen Morgenstunden.
Wer noch weiter fährt, erreicht bei einer Tagescharter die Küste vor Ajman oder Umm al Quwain, deutlich ruhigere Emirate mit unbebauten Strandabschnitten und Mangrovenzonen. Diese Ausfahrten setzen ein größeres Schiff, gute Wetterbedingungen und eine frühzeitige Planung voraus, belohnen aber mit einem Bild der Region, das mit dem Dubai der Postkarten nichts mehr zu tun hat.
Wie man aus Zielen eine Route macht
Die Kunst einer guten Charterplanung liegt nicht darin, möglichst viele dieser Orte anzufahren, sondern darin, die passenden zu kombinieren. Drei Stunden reichen für Marina, Ain Dubai, die Palme und einen Badestopp. Fünf Stunden erlauben zusätzlich den Burj Al Arab und eine ruhige Bucht vor Jumeirah. Erst ab sechs oder sieben Stunden lassen sich die World Islands oder der Dubai Canal sinnvoll einbauen, ohne dass die Fahrt zur Hetze wird.
Deshalb beginnt jede gute Planung mit einer einfachen Frage, nämlich was der Tag leisten soll. Wer Bilder möchte, fährt die Landmarken ab. Wer Ruhe sucht, fährt hinaus und bleibt lange am Anker. Wer die Stadt verstehen will, kombiniert den Creek mit dem Kanal. Dubai bietet vom Wasser aus für jede dieser Absichten eine eigene Route, und die Entscheidung darüber ist der wichtigste Teil der Vorbereitung.
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